SECTION W-03 · Mr. Pete

Herr Pet

Herr Pet war kein gewöhnliches Fahrzeug. Er war ein Zustand, ein Versuch und eine Phase. Entstanden in einer Zeit diffuser Tagesstrukturen, verlängerten Bartwuchses und einer kreativen Unruhe, die selten zu guten, aber häufig zu dokumentationswürdigen Ergebnissen führte.

Vorgeschichte

SHEET 01ORIGIN

In einer zeitlich nur grob einzugrenzenden Phase, geprägt von reduzierter Außenwelt und erhöhter innerer Betriebsamkeit, entstand zwischen Robin, Julian und mir eine informelle Vereinbarung mit klarer Konsequenz: Wer sich zuerst rasiert, verliert.

Parallel dazu entwickelte sich eine ausgeprägte Neigung zu Projekten mit geringer Zweckbindung, aber hohem eskalativem Potenzial. In diesem Spannungsfeld reifte die Idee, ein motorisiertes Kleinfahrzeug zu beschaffen und es ohne weitere Genehmigung zum Flugplatz-Bodenfahrzeug umzuwidmen.

Herr Pet – Skizze
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PHOTO Planung von Herr Pet (ehem. Pedda) (Skizze)

Anschaffung

SHEET 02PROCUREMENT

An einem hierfür geeignet erscheinenden Tag begaben wir uns – langbärtig, entschlossen und mit einem Motorradanhänger – nach Konstanz. Dort wartete ein als „defekt“ klassifiziertes Kleinkraftrad auf seine nächste Lebensphase.

Die anschließende Begutachtung erfolgte nach dem Prinzip der visuellen Plausibilitätsprüfung. Trotz begrenzter Prüftiefe wurde das Fahrzeug übernommen, verladen und dem weiteren Verwendungszweck zugeführt.

Wir waren nun Eigentümer eines roten Motorrollers, inklusive Helm, in einer inoffiziellen Michael-Schumacher-Edition. Die gemessene Endgeschwindigkeit lag deutlich unter jeder Erwartung, wurde von uns jedoch als ausreichend raketenähnlich eingestuft.

Herr Pet – Kaufzustand
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PHOTO Kauf von Herr Pet (Ausgangszustand)

Demontagephase

SHEET 03DISASSEMBLY

Bereits bei Ankunft am Flugplatz signalisierte Herr Pet eine eingeschränkte Kooperationsbereitschaft, indem er auf dem Anhänger umkippte. Mehrere Bauteile reagierten darauf mit spontanen plastischen Verformungen.

Es folgte eine Phase ungeplanter, aber konsequenter Materialreduktion. Zunächst verschwanden Verkleidungsteile, anschließend Kabel, schließlich Komponenten, deren Funktion zwar bekannt, aber nicht mehr relevant erschien.

Gedicht – Demontagephase

Schrauben fallen leis’ herab,
weil man sie im Wege sah.
Was sie hielten, hält nicht mehr,
Ordnung wird hier ungefähr.

Kabel trennen sich im Licht,
nicht aus Zorn und nicht aus Pflicht.
Neugier führt die ruhige Hand,
die den nächsten Schnitt verstand.

Stecker suchen ihr System,
finden keins – das nimmt man hin.
Farben sagen nichts mehr aus,
jede Leitung läuft hinaus.

Kunststoff knackt, das Eisen gibt,
was es lange noch behielt.
Zwischen Werkzeug, Plan und Mut
wird aus „läuft“ ein „lief doch gut“.

Funktion bleibt kurz noch steh’n,
schaut sich um und will nicht geh’n,
doch sie dreht sich leis’ herum,
und verstummt im Arbeitsraum.

So war das nicht geplant.

Nichts ging mehr. Herr Pet war kaputt. Mit erheblichem Aufwand und bemerkenswerter Sturheit gelang es jedoch, ihn zumindest teilweise wiederzubeleben.

Umbau & Zwischenfälle

SHEET 04MODIFICATION

Das ursprüngliche Konzept sah vor, eine handelsübliche Bierkiste als primäre Sitz- und Strukturkomponente zu verwenden. Nach kurzer Abwägung entschieden wir uns jedoch für einen geschweißten Rahmen, der mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen sollte, ohne für eine davon optimiert zu sein.

Die erforderlichen Schweißarbeiten wurden direkt am Fahrzeug durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt wurde davon ausgegangen, dass der Arbeitsbereich hinreichend vorbereitet sei.

Diese Annahme erwies sich als nur bedingt belastbar. Im Verlauf der Arbeiten kam es zu einer Wechselwirkung zwischen offener Flamme, Funkenflug und einem noch gefüllten Kraftstofftank.

Der daraus resultierende Entstehungsbrand führte innerhalb kürzester Zeit zu Angst, Schrecken und einer spontanen Neubewertung der eigenen Kompetenzlage.

Der Einsatz eines Feuerlöschers verhinderte größere strukturelle Verluste. Ab diesem Moment gehörte ein Feuerlöscher zur verbindlichen Mindestausstattung von Herr Pet.

Brand von Herr Pet – Photo
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PHOTO Nach dem Brand von Herr Pet - Allgemeine Erleichterung

Einsatz & Ereignisse

SHEET 05OPERATIONS

Herr Pet verbrachte mehrere Jahre überdacht am Flugplatz. Sein Startverhalten bewegte sich in einem Bereich zwischen „springt widerwillig an“ und „konsequent nicht“.

In einer Nacht wurde er trotz dieser Eigenschaften von Jugendlichen entwendet und für nicht näher spezifizierte Freizeitaktivitäten eingesetzt. Details bleiben aus Gründen der Selbstachtung unkommentiert.

Der unbestrittene Höhepunkt seiner Karriere war das Ziehen eines Segelflugzeugs. Obwohl Herr Pet intern davon ausging, noch deutlich größere Aufgaben bewältigen zu können.

Brand von Herr Pet – Photo
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PHOTO Herr Pet schleppt schweres Gerät

Außerbetriebnahme

SHEET 06END OF LIFE

Schließlich kam der Zeitpunkt, an dem Herr Pet außer Betrieb genommen werden musste. Als letzte Zeremonie wurde sein 50-ccm-Zylinder mit Bier geflutet.

Dies geschah nicht aus Notwendigkeit, sondern aus Überzeugung.

Überbleibsel Herr Pet – Photo
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PHOTO Überbleibsel - Herr Pet

Visionen

SHEET 07WHAT IF

Es bleibt die nicht realisierte Vision größerer Missionen, schwererer Lasten und eines längeren Rollerlebens.

In internen Simulationen erreichte Herr Pet regelmäßig Dimensionen, die physikalisch nicht haltbar waren.

Herr Pet - Platz für Träume – Photo
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PHOTO Herr Pet träumt vom großen Glück