Herr Pet war kein gewöhnliches Fahrzeug.
Er war ein Zustand, ein Versuch und eine Phase.
Entstanden in einer Zeit diffuser Tagesstrukturen,
verlängerten Bartwuchses und einer kreativen Unruhe,
die selten zu guten,
aber häufig zu dokumentationswürdigen Ergebnissen führte.
Vorgeschichte
SHEET 01ORIGIN
In einer zeitlich nur grob einzugrenzenden Phase,
geprägt von reduzierter Außenwelt
und erhöhter innerer Betriebsamkeit,
entstand zwischen Robin, Julian und mir
eine informelle Vereinbarung
mit klarer Konsequenz:
Wer sich zuerst rasiert, verliert.
Parallel dazu entwickelte sich
eine ausgeprägte Neigung zu Projekten
mit geringer Zweckbindung,
aber hohem eskalativem Potenzial.
In diesem Spannungsfeld reifte die Idee,
ein motorisiertes Kleinfahrzeug zu beschaffen
und es ohne weitere Genehmigung
zum Flugplatz-Bodenfahrzeug umzuwidmen.
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Planung von Herr Pet (ehem. Pedda) (Skizze)
Anschaffung
SHEET 02PROCUREMENT
An einem hierfür geeignet erscheinenden Tag
begaben wir uns – langbärtig, entschlossen
und mit einem Motorradanhänger –
nach Konstanz.
Dort wartete ein als „defekt“ klassifiziertes
Kleinkraftrad auf seine nächste Lebensphase.
Die anschließende Begutachtung
erfolgte nach dem Prinzip
der visuellen Plausibilitätsprüfung.
Trotz begrenzter Prüftiefe
wurde das Fahrzeug übernommen,
verladen
und dem weiteren Verwendungszweck zugeführt.
Wir waren nun Eigentümer eines roten Motorrollers,
inklusive Helm,
in einer inoffiziellen
Michael-Schumacher-Edition.
Die gemessene Endgeschwindigkeit
lag deutlich unter jeder Erwartung,
wurde von uns jedoch
als ausreichend raketenähnlich eingestuft.
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Kauf von Herr Pet (Ausgangszustand)
Demontagephase
SHEET 03DISASSEMBLY
Bereits bei Ankunft am Flugplatz
signalisierte Herr Pet
eine eingeschränkte Kooperationsbereitschaft,
indem er auf dem Anhänger umkippte.
Mehrere Bauteile reagierten darauf
mit spontanen plastischen Verformungen.
Es folgte eine Phase
ungeplanter, aber konsequenter Materialreduktion.
Zunächst verschwanden Verkleidungsteile,
anschließend Kabel,
schließlich Komponenten,
deren Funktion zwar bekannt,
aber nicht mehr relevant erschien.
Gedicht – Demontagephase
Schrauben fallen leis’ herab,
weil man sie im Wege sah.
Was sie hielten, hält nicht mehr,
Ordnung wird hier ungefähr.
Kabel trennen sich im Licht,
nicht aus Zorn und nicht aus Pflicht.
Neugier führt die ruhige Hand,
die den nächsten Schnitt verstand.
Stecker suchen ihr System,
finden keins – das nimmt man hin.
Farben sagen nichts mehr aus,
jede Leitung läuft hinaus.
Kunststoff knackt, das Eisen gibt,
was es lange noch behielt.
Zwischen Werkzeug, Plan und Mut
wird aus „läuft“ ein „lief doch gut“.
Funktion bleibt kurz noch steh’n,
schaut sich um und will nicht geh’n,
doch sie dreht sich leis’ herum,
und verstummt im Arbeitsraum.
So war das nicht geplant.
Nichts ging mehr.
Herr Pet war kaputt.
Mit erheblichem Aufwand und
bemerkenswerter Sturheit
gelang es jedoch, ihn
zumindest teilweise
wiederzubeleben.
Umbau & Zwischenfälle
SHEET 04MODIFICATION
Das ursprüngliche Konzept sah vor,
eine handelsübliche Bierkiste
als primäre Sitz- und Strukturkomponente zu verwenden.
Nach kurzer Abwägung
entschieden wir uns jedoch
für einen geschweißten Rahmen,
der mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen sollte,
ohne für eine davon optimiert zu sein.
Die erforderlichen Schweißarbeiten
wurden direkt am Fahrzeug durchgeführt.
Zu diesem Zeitpunkt wurde davon ausgegangen,
dass der Arbeitsbereich
hinreichend vorbereitet sei.
Diese Annahme erwies sich
als nur bedingt belastbar.
Im Verlauf der Arbeiten
kam es zu einer Wechselwirkung
zwischen offener Flamme,
Funkenflug
und einem noch gefüllten Kraftstofftank.
Der daraus resultierende Entstehungsbrand
führte innerhalb kürzester Zeit
zu Angst, Schrecken
und einer spontanen Neubewertung
der eigenen Kompetenzlage.
Der Einsatz eines Feuerlöschers
verhinderte größere strukturelle Verluste.
Ab diesem Moment
gehörte ein Feuerlöscher
zur verbindlichen Mindestausstattung
von Herr Pet.
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Nach dem Brand von Herr Pet - Allgemeine Erleichterung
Einsatz & Ereignisse
SHEET 05OPERATIONS
Herr Pet verbrachte mehrere Jahre
überdacht am Flugplatz.
Sein Startverhalten bewegte sich
in einem Bereich zwischen
„springt widerwillig an“
und „konsequent nicht“.
In einer Nacht wurde er
trotz dieser Eigenschaften
von Jugendlichen entwendet
und für nicht näher spezifizierte
Freizeitaktivitäten eingesetzt.
Details bleiben aus Gründen
der Selbstachtung unkommentiert.
Der unbestrittene Höhepunkt
seiner Karriere
war das Ziehen eines Segelflugzeugs.
Obwohl Herr Pet
intern davon ausging,
noch deutlich größere Aufgaben
bewältigen zu können.
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Herr Pet schleppt schweres Gerät
Außerbetriebnahme
SHEET 06END OF LIFE
Schließlich kam der Zeitpunkt,
an dem Herr Pet
außer Betrieb genommen werden musste.
Als letzte Zeremonie
wurde sein 50-ccm-Zylinder
mit Bier geflutet.
Dies geschah nicht aus Notwendigkeit,
sondern aus Überzeugung.
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Überbleibsel - Herr Pet
Visionen
SHEET 07WHAT IF
Es bleibt die nicht realisierte Vision
größerer Missionen,
schwererer Lasten
und eines längeren Rollerlebens.
In internen Simulationen
erreichte Herr Pet
regelmäßig Dimensionen,
die physikalisch
nicht haltbar waren.
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