SECTION P · EXTERNAL OBSERVATION

Alexander Gentner

In unregelmäßigen Abständen ergeben sich Berichte, die nicht aus der eigenen Perspektive stammen. Dieser Text ist ein solcher Bericht.

Gastbeitrag

SHEET 01aTHIRD-PARTY REPORT

Verfasser: Robin
Beobachtungszeitraum: mehrere Jahre
Methodik: Nähe, Geduld, gemeinsames Scheitern

Alexander Gentner – Ein Fels in der Brandung in unsicheren Zeiten wie diesen
Ein Gastbeitrag von Robin

Ich erinnere mich mit einer fast unverschämten Klarheit an jenen Tag, an dem sich meine Umlaufbahn erstmals mit der von Alexander Gentner kreuzte. Ein Flugplatztag wie aus dem Lehrbuch der Gewöhnlichkeit: Benzingeruch, Thermikträume, Zeit, die träge zwischen Hangar und Startstelle verrann. Und dann – Alex.

Er trat auf wie ein Wesen, das sich aus Versehen in eine zu große Welt verirrt hatte. Schüchtern, vorsichtig, ein Küken mit großen Augen inmitten von Asphalt, Aluminium und alter Fliegerromantik. Doch manchmal genügt ein einziger Blick, um zu wissen: Das hier ist kein Zufall. Das hier ist Rohdiamant.

Seine fliegerische Laufbahn begann – wie sollte es anders sein – auf dem Rattel. Damals sein heiliger Gral, sein fliegender Lebensmittelpunkt, sein Ein und Alles. Ob es heute noch diesen beinahe religiösen Stellenwert hat? Wer weiß. Manche Lieben verändern sich, andere werden nur leiser, nie kleiner.

Mit dem Flugschein kam die Metamorphose. Aus dem Küken wurde kein Raubvogel, kein Pfau – nein, ein Schwan. Stolz, ruhig, mit jener Selbstverständlichkeit, die nicht laut sein muss, um Raum zu füllen. Parallel dazu wuchs etwas anderes: sein handwerkliches Talent.

Anfangs noch ein Pandabär auf Rollschuhen – liebenswert, motiviert, gelegentlich im falschen Moment mit dem falschen Werkzeug. Doch der Flugplatz ist ein strenger, aber gerechter Lehrmeister. Heute ist Alex einer der engagiertesten, begabtesten Schrauber weit und breit. Einer von denen, die man ruft, bevor es kritisch wird.

Durch Rita lernte er die Welt der Kraftfahrzeuge kennen, und wie so oft bei Alex blieb es nicht beim Kennenlernen. Seine Schrauberkarriere kulminierte – zumindest vorläufig – in unserem gemeinsamen Monument: Herr Pet. Ein Projekt, eine Odyssee, ein therapeutischer Ausnahmezustand. Diese endlosen Mittage mit Alex und Herr Pet waren mehr als nur Schrauben und Fluchen. Es waren Rituale. Da wurden Kindheitsträume nicht nur erinnert, sondern mit öligen Händen neu erschaffen.

Doch Alex wäre nicht Alex, wenn er sich auf eine Bühne beschränken ließe. Was viele nicht wissen – und was fast sträflich unterschätzt wird – ist sein Talent am Herd. Dort, wo andere Rezepte lesen, komponiert Alex.

Sein Magnum Opus: Paprikarahmschnitzel mit klarer Tendenz zum Pfefferrahmschnitzel. Eine geschmackliche Gratwanderung, irgendwo zwischen bodenständiger Wirtshausküche und kulinarischem Offenbarungseid. Paprika, Pfeffer, Schnitzel, Maggi – nicht vermischt, sondern orchestriert. Ein Gedicht. Kein Reim. Freie Lyrik für den Gaumen, welches man nicht isst, sondern erlebt.

Alex, du bist vieles: Schrauber, Pilot, Koch, Projektverwirklicher, Fels in der Brandung. Und vor allem bist du jemand, mit dem selbst die unsichersten Zeiten ein bisschen stabiler wirken.

Ich hoffe auf viele weitere Kapitel mit dir – in der Werkstatt, in der Küche, und dort oben, wo Worte sowieso zu klein werden: im Cockpit.

Redaktioneller Hinweis:
Der vorliegende Text wurde nicht gekürzt, nicht technisch korrigiert und bewusst nicht relativiert.